Regattaglück in letzter Minute
Am Muttertagswochenende machte der compasscup Halt im Yacht Club Horgen – bei strahlendem Frühsommerwetter, spiegelglattem Wasser und einer Ruhe, die täuschen sollte. Denn auch wenn Flaute das Bild bestimmte, war die Energie unter den Crews jederzeit spürbar. Man wartete gemeinsam, lachte, diskutierte, spielte Jass und Tischfussball – und hielt den Blick stets auf den See gerichtet. Denn alle wussten: Die Regatta beginnt, wenn der Wind es will.
Am Samstag blieb er aus. Erst sah es nach Bewegung aus, dann kam doch nichts. Die Yachten liefen am Nachmittag aus, kreuzten geduldig vor Horgen – bis der Wettfahrtleiter kurz vor 16 Uhr den Tag offiziell abbrach. Der Fokus verlagerte sich zurück an Land, wo das Segler-Nachtessen im Clubhaus Raum für Austausch, alte Geschichten und neue Ideen bot. Die Stimmung blieb gelassen, die Vorfreude auf den Sonntag gross.
Und tatsächlich: Am nächsten Tag änderte sich alles. Wieder begann der Morgen mit spiegelndem See, wieder war Geduld gefragt – bis ein kleines Kräuseln Richtung Zürich wie ein Versprechen wirkte. Fünf Minuten vor der geplanten Abschuss des Wochenendes kam Bewegung auf. Innerhalb einer halben Stunde baute sich ein recht gleichmässiger Nordwestwind auf, und der zweite Act des compasscup 2025 nahm plötzlich Fahrt auf.
Drei verkürzte, intensive Läufe wurden gestartet – kurz, aber taktisch anspruchsvoll, dank einigen Winddrehern. Im ersten Lauf dominierte das Team von S2 Immobilien Promotion und verwies das Feld souverän auf die Plätze. Dahinter entwickelte sich ein packender Zweikampf zwischen César, dem neuen Multi-Sponsor-Team, und Expersoft. Die beiden lieferten sich ein nervenaufreibendes Match-Race über die grosse Distanzen, in dem sich kein Team wirklich lösen konnte. Es war dieser Lauf, der zeigte, wie viel Spannung auch in einem kurzen Format liegen kann.
Der zweite Lauf brachte dann den Moment, den viele nie vergessen werden. Expersoft erwischte einen perfekten Start, segelte klug durch das kompakte Feld und konnte seine Führung auf der Zielkreuz verteidigen – erstmals seit ihrem compasscup-Debüt 2019 holte das Team einen Laufsieg. Der Jubel war gross, der Moment verdient. Und auch das Team Gloor Planzer – aus dem Heimclub Horgen – segelte vorne mit und rundete die erste Marke als Zweites. Ein Meilenstein, der Mut macht und zeigt, wie nah alles beisammen liegt.
Dank der offenen Ausschreibung konnte eine dritte Wettfahrt angesetzt werden. Der Wind drehte auf klassische Bise, die Startlinie rückte näher ans Land, und das Geschehen wurde zum Spektakel – beobachtet von zahlreichen Schaulustigen an der Uferpromenade. Wieder war es S2 Immobilien Promotion, das vorneweg fuhr und den Tag schlussendlich für sich entschied. Dahinter lagen das Team Werubau und die Schweizer Weinmanufaktur aus der Seglervereinigung Thalwil punktgleich, beide stark, beide mit Kurs nach vorne. Expersoft verpasste das Podest nur knapp um einen Punkt – und bleibt trotzdem als Sieger der Herzen in Erinnerung dieser Mairegatta.
Ein besonderer Dank gilt Wettfahrtleiter Walter Oberholzer und seinem Team, die in kürzester Zeit das Maximum aus den Bedingungen herausgeholt haben – mit Ruhe, Übersicht und perfektem Timing. Die grosse Anerkennung und der herzliche Applaus bei der Preisverteilung spiegelten die Wertschätzung aller Teilnehmenden für ihren engagierten Einsatz.
Auch in der Gesamtwertung brachte dieser Act einige Verschiebungen. Die Schweizer Weinmanufaktur kletterte gleich drei Plätze nach oben, auch S2 Immobilien Promotion, Expersoft und Gloor Planzer sammelten wertvolle Punkte. In der Teamwertung gab es leichte Verschiebungen – das Feld bleibt offen, die Saison jung.
Ein Wochenende zwischen Warten und Wind, zwischen Flaute und Feingefühl – und ein Act, der einmal mehr bewiesen hat, wie viel Energie im compasscup steckt. Wenn der Wind ruft, sind alle bereit. Wir freuen uns auf den nächsten.